Die Ansichtensammlung LaRoche

Neben ihrem grossen Bestand an Inkunabeln und Handschriften verfügt die UB Basel über eine bedeutende Fotosammlung, die nun erschlossen wird: Die sogenannte Ansichtensammlung – ein umfassender Bestand an Stadt- und Landschaftsbildern. Bereits die Entstehungsgeschichte der Sammlung klingt abenteuerlich:

Ansichtensammlung2
Abdullah Frères, Echelle de Sirkédji, um 1865, Albuminabzug.

Der Basler Patrizier Franz Eduard LaRoche verlässt um 1885 Knall auf Fall und aus unbekannten Gründen Basel für immer. Auf seiner nicht restlos geklärten Reiseroute durchquert LaRoche Nordafrika, Palästina, die Türkei sowie den Balkan und gelangt über Deutschland schliesslich nach Frankreich. Danach, wohl um 1900, lässt sich LaRoche zuerst in München, dann in Innsbruck nieder, wo er 1912 verstirbt. Ob LaRoche seine Heimatstadt Basel jemals wieder betrat, bleibt unklar.

Was aus seinem Besitz aber zwischen 1912 und 1915 nach Basel und in die Universitätsbibliothek gelangte, ist die Fotosammlung, die er auf seiner ausgedehnten Reisen erwarb. Es handelt sich um den Kernbestand der heutigen Ansichtensammlung. Und diese Sammlung kann sich sehen lassen, denn der vermögende LaRoche kaufte etwa nicht irgendwelche Landschafts- und Stadtansichten, sondern griff dafür tief in die Tasche, kaufte fast ausschliesslich Abzüge der damaligen Avantgarde der frühen kommerziellen Fotografie; darunter Felix Bonfils, J. Pascal Sebah und Hippolyte Arnoux. Die Sammlung ist somit einerseits ein Zeugnis für die Fotobegeisterung der reisenden Oberschicht und ein Beispiel für die Faszination für den Orient im ausgehenden 19. Jahrhundert. Andererseits bietet die Ansichtensammlung einen einmaligen Blick auf heute durch Kriege, Naturkatastrophen zerstörte Stätten, darunter Palmyra und Jerusalem sowie auf Städte, die im 20. Jahrhundert durch Modernisierung ihren Charakter komplett verändert haben. Die älteste Fotographie, eine Strassenszene aus Rom, stammt gar aus dem Jahre 1853! Die Sammlung soll nach der Erschliessung gescannt und damit bald einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein.

noah.regenass@unibas.ch

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