Das Strassburger Denkmal als Lernort

Ein Gastbeitrag von Gaby Sutter, Dozentin für Geschichte und Geschichtsdidaktik an der Pädagogische Hochschule FHNW, zum Strassburger Denkmal und dem Fotoalbum „Bombardement De Strasbourg 1870“ aus dem Bestand der  UB Basel.

Das Strassburger Denkmal ist ein Erinnerungsort für eine spektakuläre humanitäre Hilfsaktion der Schweiz. Wenige Wochen nach dem Ausbruch des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 besuchte eine Schweizer Delegation die von deutschen Truppen belagerte und stark beschädigte Stadt Strassburg und veranlasste die Evakuation von fast 2’000 Zivilflüchtlingen.

Strassburger Denkmal am Bahnhofplatz in Basel

Das Denkmal wurde 25 Jahre später von einem Strassburger Bürger als Dank an die Schweiz gestiftet, von Frédéric-Auguste Bartholdi gestaltet und in Basel am Rande des Centralbahnplatzes aufgestellt. Es zeigt Helvetia als Retterin, die ihren Schild schützend über Alsatia hält, welche die kriegsversehrte Stadt Strassburg allegorisch darstellt, mit gesenktem Haupt und umringt von teils nackten und verletzten Kindern. Eine kleine und unauffällig am Fusse des Denkmalssockels platzierte Informationstafel bezeichnet die Aktion als „humanitäre Hilfe“.

Inszenierung des Denkmals als historischer Lernort.

Heute wird das Denkmal, das Bahnreisende aus aller Welt empfängt, in erster Linie als städtische Dekoration wahrgenommen. Als Lernort eignet sich das Denkmal, um Fragen nach der Bedeutung der humanitären Hilfe – damals wie heute – zu stellen. Die Dokumente der Hilfsaktion zeigen, dass nicht alle Personen aus Strassburg in der Schweiz gleichermassen willkommen waren. Neben der Unterstützung der Flüchtlinge bot die Hilfsaktion für die Schweiz die Gelegenheit, ihr neues Verständnis einer humanitären Ausrichtung der schweizerischen Neutralitätspolitik zu inszenieren. Diese Botschaft nimmt das Denkmal auf.

Das Projekt Lernort sieht vor, mittels eines QR-Code Informationstexte, ausgewählte Quellen aus dem Basler Staatsarchiv, Lernmaterialien für den Schulunterricht und insbesondere die Fotografien der zerstörten Stadt Strassburg vor Ort digital sichtbar zu machen.

Strassburg
Faubourg National – Église Saint-Aurélie aus dem Album Bombardement De Strasbovrg 1870.

Einige Monate nach der der Schweizer Hilfsaktion schenkte Strassburg der Schweiz das Fotoalbum Bombardement De Strasbovrg 1870, welches die Auswirkungen der Bombardierung höchst eindrücklich dokumentiert. Die neue Buchpublikation Wo liegt die „humanitäre Schweiz“? zeigt neue Perspektiven auf die „humanitäre Tradition“ der Schweiz und thematisiert auch die Hilfe für Strassburg und das Strassburger Denkmal. Zur Forschung an der FHNW siehe den Link: www.gesellschaftswissenschaften-phfhnw.ch

gaby.sutter@fhnw.ch

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