Die Mustermesse öffnet das letzte Mal ihre Tore.

Aus der Basler Bibliographie. Das Jahr 1916 steht fast gänzlich im Schatten der furchtbaren Schlachten des Ersten Weltkriegs, die Kämpfe um Verdun und an der Somme seien hier stellvertretend für alle Weiteren genannt. Obwohl die Schweiz glücklicherweise nicht Kampfhandlungen hineingezogen wurde, traf der Krieg die hiesige Wirtschaft schwer. Der Schweizer Landesstreik, der sich erst kürzlich zum hundertsten Male jährte, ist eine Folge dieser ökonomischen Misere. Um der Rezession entgegenzutreten, wurde 1916 die Idee einer Warenmesse geboren. Die Ankurbelung der Wirtschaft und des Konsums waren sicher die Hauptargumente für die Gründung der Warenmesse, doch dass ausgerechnet die Grenzstadt Basel den Zuschlag als Veranstaltungsort erhielt, darf man auch als Zeichen gegen aussen verstehen. Die Symbolkraft Basels mit seiner vielfältigen Geschichte und mit seiner exponierten Lage wussten die Basler Regierungsräte Fritz Mangold (parteilos) und Hermann Blocher (SP) gekonnt zu inszenieren – und so bekam Basel den Zuschlag. Die 1917 erstmals ausgetragene Mustermesse, wo alle möglichen Ware aus der Schweiz feil geboten wurden, übertraf alle Prognosen und war ein riesen Erfolg! Menschen strömten in die noch einzige Messehalle und besichtigten die Produkte aus der ganzen Schweiz. Welche symbolische Aufladung die Mustermesse enthielt, zeigte sich schliesslich während des Zweiten Weltkriegs. Isolierten und Bedrohten die Achsenmächte die Schweiz zusehends, entwickelte sich die MUBA, wie die Mustermesse im Volksmund genannt wurde, zum Symbol der Schweizer Identität. Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man die MUBA  zusammen mit der «Landi», der Schweizer Landesausstellung von 1939, als Sinnbild von kultureller und wirtschaftlicher Unabhängigkeit versteht, ganz nach dem Postulat des Basler Nationalrats Fritz Hauser (SP).

MUBA
Basler Mustermesse in den 50iger Jahren, Quelle: ETH-Bildarchiv

Nach dem Krieg und mit dem Wirtschaftswunder wuchs die MUBA stetig, sie expandierte und man investierte. Die zwei zwischen 1953 bis 1965 gebauten neuen Messehallen sprechen für sich. Erfasst von einer nie dagewesenen Mobilität, erfreuten sich die Besucher über die Präsentationen von Gastländern. Exotische Produkte von fernen Ländern faszinierte die Menschen, die nun mit dem eigenen Auto oder mit dem Flugzeug den Globus erkunden konnten. Aufgrund eines immer grösseren Ausstellungsangebots fanden erste Spezialmessen statt, 1970 die ART Basel, 1973 die ersten Uhren- und Schmuckmesse. Und auch die aktuelle Lage der MUBA soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Label «Messe Schweiz» zu den Bigplayern unter den Messeunternehmern zählt.

Das Digitale Zeitalter, so kann man wohl überspitzt formulieren, hat das Unbekannte entmystifiziert und das Fremde in die Nähe geholt. Über Onlinehandel sind Waren aus aller Welt 24h am Tag abruf- und per Mausklick bestellbar. Dies vielleicht nur einer der Gründe, wieso die Besucherzahlen der MUBA somit auch in den letzten Jahren stark rückläufig waren. Und so öffnet die MUBA 2019 das letzte Mal in ihrer «klassischen» Form ihre Tore. Und ein Besuch lohnt sich allemal – und dies keinesfalls aus rein nostalgischen Gründen: Shows, Musikdarbietungen, Diskussionsrunden, Tanzeinlagen und die Ausstellung erweitern den Horizont eines jeden Besuchers. 2020 soll die MUBA dann wieder stärker themenbezogene Events abhalten. Eines ist aber sicher: Die MUBA ist in ihrem alten, wie auch in kommenden Formaten ein Stück Basler Identität! Und daher lohnt es sich, einen Blick in die Basler Bibliographie zu werfen, denn hier finden Sie alle notwendige Literatur zur MUBA.

 

noah.regenass@unibas.ch

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