Farben, Formen und Figuren. Die Art Basel und die Kunst am Rheinknie

Aus der Basler Bibliographie. Die diesjährige Art Basel öffnete am 13. Juni ihre Tore. Ein idealer Anlass, um hier kurz über Basel, die Art und die hiesigen Kunstsammlungen zu reflektieren, denn Basel war immer wieder der Treffpunkt für die internationale Kunstszene: So exemplarisch am Basler Konzil (1431-1449), wo sich Maler und Mäzene aus ganz Europa hier am Rheinknie tummelten. Der heute wohl noch bekannteste Name unter den damals anwesenden „Künstlern“ ist Konrad Witz. Unter den Mäzenen sind illustre Grössen vom Burgunder Hof sowie italienische Kleriker und Kunstliebhaber, wie Giuliano Cesarini, zu verzeichnen. Selbstverständlich wurde neben der Kunst auch über Fragen des Glaubens und der Kirchenpolitik debattiert…

Witz, Christphorus
Konrad Witz, Der heiliger Christophorus, um 1435, Kunstmuseum Basel.

Wenige Jahrzehnte später porträtierte Hans Holbein Basler Persönlichkeiten und Humanisten. Sein Erfolg machte ihn gar zum englischen Hofmaler. Das anno 1661 an die Stadt Basel gegangene Amerbach-Kabinett gilt als eine der ersten öffentlich zugänglichen Kunstsammlungen überhaupt und bildet den Kernbestand des heutigen Kunstmuseums Basel. Weitere Museen und Galerien folgten. Ja, Kunst war und Kunst ist in Basel ein Thema, das die Menschen interessiert.

Dieses enge Verhältnis der Basler zur Kunst und „ihren“ Kunstinstitutionen wird besonders sichtbar durch eine Schenkung von Pablo Picasso an die Stadt im Jahre 1967. Was war geschehen? Zwei Gemälden von Picasso, die lediglich als Leihgaben im Kunstmuseum zu sehen waren, drohte der Verkauf. Die Empörung der Basler über den privaten Besitzer und den drohenden Verkauf war entsprechend gross! Es wurde eine Volksabstimmung lanciert, damit der Kanton mit einem Kredit von 6 Millionen Franken sich am Kauf beteiligen konnte. Die Basler gingen geschlossen wie selten auf die Strasse für die Picassos, ja sogar der FC Basel rief mit einem Plakat zur Spende und zur Abstimmung auf! Der Staatskredit wurde sodann bewilligt, zusätzlich kamen noch ganze 2,4 Millionen Spendengelder zusammen – eine gigantische Summe in jenen Tagen. Die Picassos waren für Basel gerettet. Doch damit nicht genug: Pablo Picasso höchst persönlich war so gerührt von dieser Aktion, dass er der Stadt vier weitere Arbeiten schenkte, darunter auch die Entwurfszeichnung zu „Les Demoiselles d’Avignon„.

Picasso.
Pablo Picasso hatte zu Basel ein besonderes Verhältnis, nicht zuletzt wegen der Abstimmung von 1967.

Im selben Jahr wie Picassos Schenkung, also anno 1967, trafen sich verschiedene Basler Galeristen und Kunsthändler. Ihr Projekt: Eine Basler Kunstmesse zu veranstalten. Die Idee, die Kunst der Moderne und der Gegenwart auf einer Messe Kunstsammlern und Interessierten zu präsentieren, stiess beim damaligen Messedirektor Hermann Hauswirth auf offene Ohren. Sodann wurde unter Federführung von Balz Hilt, Ernst Beyeler und Trudi Brucker der Plan in die Tat umgesetzt. Die erste Art Basel öffnete 1970 ihre Tore, und der Erfolg liess nicht auf sich warten. Besonders viel Aufmerksamkeit erregte gleich an der ersten Art Basel die Pop-Art, die insbesondere von der amerikanischen Galerie André Emmerich inszeniert wurde. Seit der documenta 4 1968 in Kassel war die Pop-Art endgültig in Europa angekommen, an der Art Basel wurde aber diese Stilrichtung erstmals von Galerien grossformatig zum Kauf angeboten. Dieser interkontinentale Brückenschlag im Kunsthandel und in der Kunstszene war für den weiteren Weg der Art Basel entscheidend und legte den Grundstein für den heutigen Erfolg.

Art Basel 2011.
Art Basel 2011.

Die Art Basel gilt heute als die weltweit bekannteste Messe für Kunst der Gegenwart, mit zusätzlichen Veranstaltungen in Miami Beach und Hongkong. Aber ihrer Heimatstadt Basel ist die Art trotz Expansion, zusätzlichen Formaten (wie die Art Unlimited), treu geblieben. Noch immer findet hier jährlich der Hauptevent statt und lockt knapp 100’000 Besucher aus der ganzen Welt an. Und einmal mehr ist Basel in jenen Tagen, wie bereits schon 600 Jahre zuvor beim Konzil, das Zentrum für Kunst schlechthin!

Alles zur Art Basel finden sie HIER in der Basler Bibliographie! Wer sich über die ganze Bandbreite der Kunst in Basel, über Ausstellungen und Persönlichkeiten informieren will, wird ebenfalls HIER in der Basler Bibliographie fündig. Und ganz Abgesehen davon: Schon gewusst, dass die UB Basel selbst spannende Kunstobjekte besitzt, darunter die Ansichtensammlung LaRoche (Sign. UBH Ansichtensammlung) , die Porträtsammlung und weitere Kunstobjekte, darunter die Aquarelle von Lucius Burckhardt (Sign. UBH NL 351:P)?  Einfach mal reinschauen, es lohnt sich!

noah.regenass@unibas.ch

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