Die Geschichte Basels auf Karten. Ein Projekt aus der Basler Bibliographie

Aus der Basler Bibliographie. Es ist eine alte Weisheit: Pläne sind nicht einfach „nur“ kartographische Werke, die zur Orientierung dienen. Das natürlich auch, ja – im Zeitalter von Google Maps vielleicht mehr denn je. Ohne zu zögern verfallen wir dem Glauben, dass wir auf dem Display unseres Handys oder Tablets die Realität sehen. Ein durchaus verführerischer Gedanken, den bereits Borges in einer Kurzgeschichte ad absurdum führte. Doch selbst beim Blick auf neuste Karten mit Satellitenbildern und Georeferzierung sollten wir uns eines gewahr werden: Es handelt sich dabei nicht nur um einen Blick in die Vergangenheit, sondern zugleich eben nur um ein Abbild der Realität; ein Abbild das wohl bemerkt interpretiert werden muss (nicht umsonst sehen wir immer wieder Touristen, die ihr Handy drehen und wenden, um sich zu orientieren).

Nein, Karten sind viel mehr als eine Orientierungshilfe, sie fixieren nicht nur eine Region oder einen Ort in der Welt über ein bestimmtes Medium (wie z.B. einen Druck, ein Digitalisat, u.a.), sondern Repräsentieren diesen auch. Kartenwerke sind daher auch immer eine Manifestation von Macht in all seinen Facetten: Handel, Sicherheit, Freiheit, Schutz und militärische Stärke, um nur einige wenige davon zu nennen. Selbstredend, dass Karten meistens idealisiert daherkommen. Der Basler Stadtplan von Matthäus Merian aus dem Jahre 1617 zeigt dies sehr schön: Eine solch massive und intakte Stadtmauer hat es wohl nie gegeben, die Strassen sind zu breit und selbst in den weniger betuchten Quartieren zieren nette Labyrinthgärtlein die Hinterhöfe. Die negativen Elemente versuchen Karten meistens zu verbergen – auch auf Google Maps sind gewisse Regionen noch immer tabu oder nur in miserabler Auflösung einsehbar. Schummeln bei Kartenwerken ist zwar viel schwieriger geworden als in früheren Jahrhunderten, aber noch längst nicht verschwunden.

Ausschnitt aus dem sogenannten Basler Merian-Plan von 1617. Gut zu sehen sind die französischen Gärten in den Hinterhöfen.

Und weil Karten einerseits eine bestimmte Idee von einer Gesellschaft und von Raum darstellen und zugleich Bühne sind, wo sich das grosse Welttheater der Geschichte abspielt, bieten sie eine hervorragende Ausgangslage für die Recherche zu Literatur über bestimmte Ereignisse und Themen. Die Basler Bibliographie hat das Projekt gestartet, die Stadtpläne von der Stadt Basel in einer digitalen Ausstellung zu präsentieren, die jeweiligen Ereignisse dazu aufzulisten und mit bibliographischen Daten zu verlinken. Ziel ist es, über den Raum die Geschichte interaktiv zu recherchieren. Ein erster Pilotfilm ist heute fertig geworden. Ein erster Livegang ist ende Jahres vorgesehen. Wir wünschen viel Spass beim Ansehen!

Demovideo zur virtuellen Präsentation von Basler Karten aus der Kartensammlung der UB mit den Tafeln zur Chronologie und dem dazugehörendem Link zur Basler Bibliographie

noah.regenass@unibas.ch

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