Digitalisierung Basler Talmud Teil 3: Die Bestandeserhaltung

Wie kommen Bücher eigentlich auf Plattformen wie e-rara für alle zugänglich ins Netz? Der Weg vom Buch zum Digitalisat läuft über verschiedene Stationen. In einer losen Blog-Serie sollen diese Stationen anhand der Digitalisierung des Basler Talmuds – einem der Schätze der UB Basel – dargestellt werden. In den ersten Beiträgen ging es um die Frage, was der Talmud ist, und was den Basler Talmud besonders macht.  Nun verfolgt die Blog-Serie den Weg des Basler Talmuds auf seinem Weg bis ins Web – von der Bestandserhaltung, über die Digitalisierung bis zur Veröffentlichung.

Was muss vor der Digitalisierung abgeklärt werden?

Konservatrische Begutachtung:

Bevor die Talmud-Bände zur Digitalisierung gelangen, erfolgt eine Begutachtung durch das Team der Bestandserhaltung der UB Basel. Dieses setzt sich aktuell aus zwei Restauratorinnen, zwei Buchbinderinnen sowie drei Praktikantinnen zusammen.

Das Ziel der Begutachtung ist es, den aktuellen Zustand der Talmud-Bände einzuschätzen und zu beurteilen, ob durch die Handhabung der Bände bei der Digitalisierung mechanische Schäden entstehen oder verstärkt werden könnten. So wird als erstes die Beschaffenheit des Bucheinbands betrachtet. Die Talmud-Bände sind allesamt in Leder gebunden, die Buchdeckel sind mit dekorativen Prägungen und goldfarbenen Buchbeschlägen ausgestattet. Besonderes Augenmerk wird bei der Begutachtung auf den Buchrücken gelegt, da dieser bei der Digitalisierung einer hohen mechanischen Belastung ausgesetzt ist. Die Beschaffenheit des Buchrückens lässt zudem, gemeinsam mit der Betrachtung der Bindung des Buchblocks, den maximal zulässigen Öffnungswinkel der Bände festlegen. Der Öffnungswinkel bestimmt weiterführend, welches Digitalisierungsgerät für die Talmud-Bände verwendet wird.

In einem nächsten Schritt erfolgt die Untersuchung des Buchblocks. Die Talmud-Bände sind mit einem eher glatten, wenig voluminösen Druckpapier ausgestattet. Es lassen sich in den verschiedenen Bänden nur wenige Gebrauchsspuren wie Eselsohren, Knicke, Fingerabdrücke oder kleinformatige Lesezeichen entdecken. Das Papier besitzt eine hohe Festigkeit, darum ist die Gefahr, dass beim Digitalisieren Risse oder Knicke entstehen nicht so gross. Auch eine wichtige Rolle spielt das Schriftbild im Buchblock. Ergänzungen und Verweise, die entlang der Seitenränder gedruckt wurden und weit in den Buchfalz hineinreichen, können bei der Digitalisierung möglicherweise nicht vollständig abgebildet werden. Die Talmud-Bände besitzen solche Verweise an den inneren und äusseren Seitenrändern. Sie sind ein wichtiger Teil des Talmuds, sie zeigen z.B. an, wo ein bestimmtes Zitat sonst noch im Talmud zu finden ist, oder es sind Querverweise in die halachische Literatur. Das Risiko, dass diese womöglich nicht komplett digitalisiert werden können, wird aber eingegangen.

Das Fazit der konservatorischen Begutachtung der Talmud-Bände fällt insgesamt positiv aus. Die Einbände befinden sich aktuell in einem sehr guten Zustand, der Öffnungswinkel ist ausreichend, so dass einer Digitalisierung grundsätzlich möglich ist.

Die Spezialistinnen von der Bestandeserhaltung, Digitalisierung und vom Fachreferat analysieren einen Band des Basler Talmud.

Konservatorische Massnahmen:

Nach der Beurteilung erfolgt die Durchführung von konservatorischen Massnahmen durch das Team der Bestandserhaltung. Es wird eine Trockenreinigung der Talmud-Bände durchgeführt, um Schmutz und Staub zu reduzieren, welcher sich im Laufe der Zeit im Buchblock angesammelt hat. So wird präventiv dem mikrobiellen Befall des Papiers und einem damit verbundenen Substanzverlust entgegengewirkt. Weiter werden bereits bestehende Risse oder Fehlstellen im Papier vor der Digitalisierung stabilisiert. Hierfür wird Japanpapier verwendet, ein langfaseriges und alterungsbeständiges Papier von geringer Grammatur, das eigens in Japan handgeschöpft wird. Als Klebstoff kommt ein Weizenstärkekleister zum Einsatz, der ebenfalls die nötige Alterungsbeständigkeit sowie Reversibilität für den konservatorischen Eingriff aufweist.Die Begutachtung durch die Bestandserhaltung sowie die Durchführung der konservatorischen Massnahmen an den Bänden ist eine von verschiedenen Tätigkeiten im interdisziplinären Prozess der Digitalisierung von Bibliotheksgut, an dessen Ende zum einen hochwertige, gut beschriebene Digitalisate auf e-rara stehen werden, zum anderen aber auch die wertvollen Originale durch die durchgeführten Massnahmen für heutige wie auch zukünftige Nutzende erhalten sind.


eva.aebersold@unibas.ch und c.langenegger@unibas.ch

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