Ausstellungsobjekte aus dem Bestand der UB: zu Zeiten von COVID-19 und überhaupt

Dass der historische Bestand der UB nicht nur von dezidiert interessierten Forscherinnen und Forschern im stillen Kämmerlein des Sonderlesesaals konsultiert wird, wird häufig gar nicht so wahrgenommen. Dabei stellt die UB regelmässig Exponate für Ausstellungen an anderen Institutionen in Basel, in der Schweiz und sogar weltweit zur Verfügung. Allein im letzten Jahr wurden insgesamt 90 Objekte an 11 Institutionen ausgeliehen, und die UB hat selber eine Wechselausstellung zu Predigern im Basler Münster konzipiert (https://blog.ub.unibas.ch/2019/04/04/von-der-kanzel-aus-predigten-aus-1000-jahren/).

Auch in diesem Jahr sind diverse Objekte aus unserem Bestand in verschiedenen Ausstellungen zu sehen – beziehungsweise sie wären es zumindest, wenn die Situation es zuliesse… Denn bekanntlich sind auch die Museen bis auf Weiteres geschlossen. Diverse Ausstellungen konnten, zumindest vorläufig, gar nicht eröffnet werden.

Gewissermassen Glück im Unglück hatte das Landesmuseum in Zürich, dessen aktuelle Sonderausstellung «Nonnen. Starke Frauen im Mittelalter» (https://www.landesmuseum.ch/nonnen) am 20. März hätte eröffnet werden sollen. Für diese Ausstellung war auch eine Leihgabe aus der UB angefragt worden: das sogenannte Andachts- und Gebetbuch der Margret Zschampi. Die Handschrift aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts mit der Signatur A VIII 51 ist ein schönes Beispiel für einen individuell zusammengestellten Band mit Gebeten, frommen Sprüchen und Andachtstexten in mittelhochdeutscher Sprache. Solche Handschriften wurden im ausgehenden Mittelalter insbesondere in Frauenklöstern und in Gemeinschaften von Laien für die private Andacht sehr rege geschrieben und genutzt. Als am 16. März über den schweizweiten «Lockdown» entschieden wurde, war im Landesmuseum der Aufbau für die Ausstellung bereits sehr weit fortgeschritten und alle Leihgaben vor Ort. Auch unsere Handschrift war mit einem Kunsttransport nach Zürich gebracht worden, begleitet von einer Kollegin aus unserer Bestandserhaltung, die Transport und Aufbau begleitete, wie das bei wertvollen Leihgaben üblich ist. Als die Ausstellung nicht wie geplant eröffnet werden konnte, disponierte das Landesmuseum kurzerhand um und konzipierte einen virtuellen Durchgang durch die neue Ausstellung (https://virtuell.landesmuseum.ch/). So können wir alle das Basler Andachts- und Gebetbuch bequem von daheim aus im Kontext seines klösterlichen Entstehungs- und Gebrauchskontextes betrachten. Wer zudem noch ein bisschen in der Handschrift blättern möchte, kann dies über das online verfügbare Digitalisat (https://www.e-codices.unifr.ch/de/searchresult/list/one/ubb/A-VIII-0051) tun.

Das Gebetsbuch der Margrit Zschampi aus der UB Basel in der virtuellen Ausstellung im Landesmuseum.

Leider mussten diverse Ausstellungen aber auch ganz abgesagt oder zumindest auf ferne oder noch unbestimmte Zeit verschoben werden. Dies betrifft zum Beispiel die Ausstellung «Trésors enluminés de Suisse» in der Fondation Martin Bodmer in Cologny: eine Ausstellung über illuminierte – also prunkvoll ausgestaltete – Handschriften in der Schweiz (https://fondationbodmer.ch/en/temporary-exhibitions/). Sie hätte am 9. April eröffnet werden sollen. Auch zwei wunderschön illustrierte Basler Handschriften – ein mit prachtvollen Initialen geschmückter lateinischer Aristoteles (https://www.e-codices.unifr.ch/de/searchresult/list/one/ubb/F-II-0020) aus dem 13. Jahrhundert und die deutsche Melusine-Erzählung mit kolorierten Federzeichnungen aus dem 15. Jahrhundert (https://www.e-codices.unifr.ch/de/searchresult/list/one/ubb/O-I-0018) – wären Ende März nach Cologny gereist, um dort ausgestellt zu werden. Ob dies noch nachgeholt werden kann, ist im Moment ungewiss. Die beiden Objekte sollen aber zumindest als Digitalisate hier schon mal gezeigt werden. Ein Blättern in den schönen Stücken lohnt sich auf ein jeden Fall!

Ein weiteres Basler Objekt, das nicht, wie geplant, diesen Frühling in einer Ausstellung gezeigt werden kann, ist ein Musikdruck aus dem frühen 20. Jahrhundert (https://www.e-rara.ch/bau_1/doi/10.3931/e-rara-79364). Er hätte Anfang April ins Schloss Achberg bei Ravensburg gebracht werden sollen, um dort an einer Ausstellung über den Maler Lesser Ury gezeigt zu werden (http://www.schloss-achberg.de/ausstellungen/ausstellung.html). Vielleicht möchte jemand stattdessen die Möglichkeit ergreifen, das digital verfügbare Stück stattdessen instrumental einzustudieren und ihm so einen anderen Präsentationskontext zu geben?

monika.studer@unibas.ch

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