Vom Buch zum Bau Teil 2: Die Universitätsbibliothek Basel erhält ihr eigenes Haus.

Aus der Basler Bibliographie. Im letzten Blogbeitrag standen die Entwicklungen in der Bibliotheksarchitektur von der Erfindung des Buchdrucks bis an die Schwelle zum 20. Jahrhundert im Fokus. Der 2. Teil der Blogserie steht nun ganz im Zeichen des ersten Bauwerks, das ausschliesslich für die Bücher der Universität Basel realisiert wurde. Doch beginnen wir von vorne:

In der Mitte des 19. Jahrhunderts schossen immer mehr Bibliotheksbauten in die Höhe. Dies aus diversen Gründen, wobei das Verlangen des aufstrebenden Bürgertums nach Bildung sowie die exponentiell steigende Buchproduktion als Hauptursache gelten. Auch in Basel wurden im 19. Jahrhundert die Stimmen für den Bau einer Universitätsbibliothek immer lauter. 1896 war es denn endlich soweit: Der Lesesaal und der Eingangsbereich des ersten „UB-Baus“ wurden feierlich eröffnet!

Eingang zur Universitätsbibliothek Basel, Albuminabzug, Basel, um 1897

Doch wo hatte man die Bücher all die Jahrhunderte zuvor untergebracht? Die Odyssee der Bücher aus der UB wären eine eigene Blogserie wert… An dieser Stelle kann dieser Bücherreise leider nur in der gebotenen Kürze nachgegangen werden: Seit der Gründung der Universität Basel anno 1460 existierte eine Universitätsbibliothek. Ihre Bestände standen zu Beginn wohl im sogenannten „Unteren Kolleg“ am Rheinsprung. Anno 1671 wurden die Bestände dann in das „Haus zur Mücke“ verschoben, wo diese bis 1849 blieben. Es folgte darauf der Umzug in das vom Basler Architekten Melchior Berri gebaute Museum an der Augustinergasse, was heute als Naturhistorisches Museum Basel besucht werden kann. Die Bücher waren dort noch zusammen mit den Kunstschätzen der Stadt und diversen weiteren Kollektionen unter einem Dach.

So charmant die Räumlichkeiten im Berri-Bau noch heute sind, letztlich musste man sich auch hier in Basel mit der Tatsache abfinden, dass man für die stetig zunehmenden Büchermengen einen eigenen Bau benötigt. Die Bestände hatten sich nämlich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts fast verdreifacht (total auf circa 200’000 Bd. ). Ein Neubau war somit unausweichlich. 1890 ging man das Projekt an. Nach einer öffentlichen Ausschreibung setzte sich letztlich der Entwurf des Architekten Emanuel La Roche durch. In der Formensprache des „Barocken Historismus“ gebaut, orientierte sich der Bau Funktional gänzlich am Modell des Bibliothekstheoretikers Leopoldo Della Santa (siehe zu Della Santa den ersten Blogbeitrag aus dieser Reihe) : Magazine, Verwaltungs- und Nutzungsräume waren das Credo. Deutlich auf dem Basler Stadtplan von 1897 sichtbar, gehen von der zentralen Kuppel im Zentrum zwei Trakte aus: Auf eine Seite (Bernouliistrasse) das Magazin (inkl. Sonderlesesaal), auf der anderen Seite die Verwaltung und der Lesesaal (also Nutzung) .

Die UB Basel auf dem Stadtplan anno 1897. Deutlich sichtbar ist die zentrale Kuppel mit den beiden Trakten in Richtung Schönbein-, resp. Bernoullistrasse

Noch heute steht ein Teil dieses Baus: das Freihandmagazin. Mit dem Botanische Garten, der zeitgleich mit dem ersten UB-Bau entworfen wurde, suchte La Roche übrigens eine Einheit zwischen Pflanze und Architektur zu kreieren. So sollen die Oculi und Fassadenornamente die Pflanzenformen rezipieren – ganz nach Ciceros Votum: Wenn du einen Garten in der Bibliothek hast, wird’s an nichts fehlen!

Ist noch heute in Betrieb: Das Magazin des LaRoche Baus (heute das Freihandmagazin).

Was für Forderungen hatte der damalige Chefbibliothekar Ludwig Sieber betreffend dem Bauwerk? Er formulierte gleich bei der Ausschreibung, also anno 1890, einen Anforderungskatalog. Der Blick auf seine 17 Punkte zum „Bauprogramm“ lohnt sich, da wir die Kausalität zwischen Bauwerk – Medien – Nutzung erkennen. Unter anderem verlangt er ein separates Magazin, verschiedene Lese- und Rechercheräume (u.a. ein „Catalogzimmer für den neuen alphabetischen Zettelkatalog (…)“), natürlich Zimmer für die Mitarbeiter und den Oberbibliothekar sowie Sitzungszimmer und einen Ausstellungsraum. Della Santas Modell wird hier also umgesetzt: Räume für Nutzerinnen und Nutzer, Verwaltung und Bestände.

Die Ansicht vom damals noch nicht fertigen botanischen Garten auf die UB zeigt Verwaltungs- und Nutzungsräume und ansatzweise, rechts am Rand, das Magazin.

Neben den Notizen zum „Bauprogramm“ verfasste Sieber noch zusätzlich 12 Punkte „Allgemeine Grundsätze des Bauprogramms“. Diese Grundsätze sind für heutige Leser ein wertvolles Dokument. Es gibt Auskunft über die damalige Gebäudesicherheit und die Leistungsfähigkeit einer Bibliothek. Einige Punkte lassen den Leser schmunzeln, andere wiederum sind ungemein weitsichtig: Da ist von einem Blitzableiter die Rede, mögliche Erweiterungen für das Magazin, bewegliche Bücherregale sind gefordert, Heizungen in den Verwaltungsgebäuden (anscheinend war dies nicht selbstverständlich…) sowie allenfalls im Magazin (bis zu 10 Grad), Wasserleitungen zwecks Löschen eines Feuers, elektrisches Licht in den Verwaltungsräumen (die Lesesäle sind nicht genannt, aber wahrscheinlich hier eingeschlossen).

Man darf sagen: Der Bau war damals absolut auf der Höhe seiner Zeit. Und das blieb er auch lange, bis er anno 1968 einem Neubau weichen musste. Doch mehr davon im Teil 3 unserer Blogserie.

noah.regenass@unibas.ch

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