Wackernagel als elektronischer Text verfügbar

300 Jahre Basler Geschichte in 3 Bänden (4 Teilen), 2500 Seiten, 5000 Lesungen. Das sind die Eckdaten eines Projektes, dass Mitarbeitende des Schweizerischen Wirtschaftsarchivs SWA mit etwas Fremdhilfe auf der Plattform «Wikisource» jüngst fertig gestellt haben. Dabei wurde die «Geschichte der Stadt Basel», die Rudolf Wackernagel zwischen 1907 und 1924 publizierte, zum elektronischen Text aufbereitet. Nach dem 4-Augen-Prinzip wurde der digitalisierte Originaltext in zwei Durchgängen transkribiert, von falsch erkannten Zeichen befreit und auf diese Weise maschinell weiterverwendbar gemacht.

«Wikisource» ist ein Schwesterprojekt der Wikipedia, das sich zum Ziel gesetzt hat, urheberrechtsfreie oder unter einer freien Lizenz veröffentlichten Texte zur Verfügung zu stellen und dabei den transkribierten Text neben den Scan, also das Bild des Textes, zu stellen.

Ausgangspunkt für das Projekt war ein E-Books-On-Demand-Scan des Buchs, den das Digitalisierungszentrum der UB vor längerer Zeit auf Wunsch eines Forschers angefertigt hatte. Auch heute noch ist die Zeichenerkennung (OCR) professioneller Software-Anbieter für Frakturschriften fehlerbehaftet; so zeigte sich auch der Auftraggeber unzufrieden mit dem Resultat der automatischen Zeichenerkennung.

Es traf sich gut, dass UB Wirtschaft – SWA in jener Zeit Hintergrundarbeiten für weniger gut frequentierte Abend- und Samstagsdienste der Ausleih- und Infotheke suchte. Nach einigen Fingerübungen mit kurzen Texten zur Geschichte der Schweiz im ersten Weltkrieg haben die Kollegen und Kolleginnen das Desiderat in Angriff genommen.

Während das Korrekturlesen der eigentlichen Texte gut vonstatten ging, erwiesen sich die Anmerkungsteile mit verschieden Schriften, Kursivierungen, Hoch- und Tiefstellungen als besonders anspruchsvoll.

Den erlahmenden Elan angestachelt hat auch ein Kollege «A. Wagner», der an der «Sächsischen Landesbibliothek-Staats- und Universitätsbibliothek Dresden» einen regelmässigen Wikisource-Informationsstand betreibt und dem Projekt mit einer verbesserten OCR und einer ersten Lesung unter die Arme griff.

Zwischen Rudolf Wackernagel und dem Schweizerischen Wirtschaftsarchiv SWA besteht eine historische Verbindung. Wackernagel legte als erster vollamtlicher Staatsarchivar des Kantons Basel-Stadt mit seinen Sammlungen und der Aufnahme nichtstaatlicher Archive den Grundstock für das SWA, das 1910 als Abteilung des Staatsarchivs gegründet wurde. Mit der Transkription erweist das SWA ihm sozusagen seine späte Referenz.

Wackernagels «Geschichte der Stadt Basel» umfasst im Wesentlichen den Zeitraum vom Beginn des 13. Jahrhunderts bis zur Reformation, ist aber ein Standardwerk, das erst jetzt mit der in Arbeit befindlichen Basler Stadtgeschichte seinen Nachfolger finden wird. Die UB und das SWA hoffen, dass der elektronische Text dem aktuellen Projekt «Stadt.Geschichte.Basel» gute Dienste leistet.

PS: Besser als das Vier-Augen-Prinzip wäre das Zwanzig-Finger-Prinzip, das sogenannte «Doubletyping» mit anschliessendem maschinellem Vergleich. Auch nach zwei Lesungen können sich noch Fehler versteckt haben; wer welche findet, kann diese sogar ohne Anmeldung korrigieren.

Gerald.fritz@unibas.ch

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