Gegen den Basler Shutdown-Koller…

Aus der Basler Bibliographie. Es gibt viele Dinge, worauf wir uns an der UB im Jahr 2021 freuen können. Ganz oben auf dieser Liste steht der Abschluss der UB-Teilsanierung: Neue Lernräume, Selbstverbuchungsanlagen und natürlich eine neue Basiliensia Leseecke werden eröffnet. Nun kommt ein erneuter Shotdown dazwischen – was aufgrund der Pandemielage absolut notwendig ist. Traurig ist aber, dass die UB weiterhin geschlossen bleibt, nur die Pickup-Ausleihe wird weiterhin betrieben. Immerhin ist die Literaturversorgung für Lehre und Forschung, Seminar-, Bachelor- und Masterarbeiten gesichert, was dem grossen Einsatz der Kolleginnen und Kollegen der Benutzung zu verdanken ist.

Auch traditionelle Basler Anlässe sind somit natürlich gestrichen, darunter die Museumsnacht oder die Fasnacht… und wenn man hört, dass solche Absagen mittlerweile schon Gewohnheit sind, so muss man doch vehement widersprechen: Nein, an diese Absagen kann und will man sich nicht gewöhnen! Also leider nix mit der gepflegten Lektüre in der Basiliensia Leseecke, nix mit Morgestraich und Barbetrieb im Innenhof des Kunstmuseums bis tief in die Nacht, nix mit Lernräumen und Unitratsch beim Kaffee… Was also tun gegen den Basler Shotdown-Koller?

Unverzichtbar im Shotdown: Bücher zu Basel und ein Heissgetränk nach Wahl

Option 1: Lektüre der neusten Publikationen über Basel. Eine Auswahl:

Das Haus am Kirschgarten. Kaufmannspalais und Ordenshaus der Tempelritter – eine Freimaurer-Architektur in Basel von Burkard von Roda: Das prächtige Haus an der Elisabethenstrasse geht oftmals beim Aufzählen der Basler Museen vergessen. Zu Unrecht, denn das klassizistische Palais bietet nicht nur einen wichtigen Einblick in die Basler Wohnkultur der hiesigen Patrizier, sondern hält für den aufmerksamen Betrachter eine Fülle von Bausymbolen der Freimaurer parat. Basel war nämlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Zentrum der Freimaurerei in der Schweiz. Die Ende 2020 erschienene Monographie über das prestigeträchtige Haus, in dem übrigens Johann Ludwig Burckhardt (alias Scheik Ibrahim) seine ersten Lebensjahre verbrachte, ist ein wunderschönes Buch, das mit viel Raffinesse und fundiertem Wissen den Lockdown sicher verkürzen wird. Zur Lektüre eignet sich eine Tasse Earl Grey im edlen Service der Grossmutter.

Blick nach aussen. 120 Bd. der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde: Jedes Jahr ist die Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde ein sicherer Wert unter dem Weihnachtsbaum. Auch der diesjährige Band wird dem Ruf mehr als gerecht und ist gespickt mit spannenden Aufsätzen, die stets neue Facetten Basels in verschiedenen Epochen aufzeigen. Der im Dezember erschienene 120. Band widmet sich Basels Blick nach aussen. Logisch, bei der besonderen Lage Basels am Dreiländereck. Ob man nun dem Basler Altarantependium bis nach Paris folgt, den Basler Seidenfabrikanten in den Nahen Osten nachspürt, oder mehr über die Beziehung zwischen dem kolumbianischen Revolutionär Francisco de Miranda und Basel erfahren will, für Spannung ist gesorgt. Eines darf an dieser Stelle verraten werden: Bereits beim Lesen der ersten Zeilen wird deutlich: Basel war und ist nicht «nur» eine Stadt – sondern eine Region, die man nie isoliert betrachten sollte. Besonders im Shutdown ist der Blick nach aussen vielleicht wichtiger denn je. Zur Lektüre ist als klassische Importware ein schöner Espresso empfehlenswert.

Building the Bâloise Park: Die Stadt verändert sich, «Verdichtung» ist das Schlagwort. Woran könnte man diese Entwicklung besser nachvollziehen als am fertig gebauten Bâloise Park beim Bahnhof SBB. Der Bau ist Sinnbild für ein Stadtbild, das immer mehr in die Höhe schiesst und zugleich die Entwicklung eines Basler Unternehmens widerspiegelt. Der Band besticht durch tolle Fotos und spannende Texte zur Architektur. Zur Lektüre eignet sich ein Drink in einem eleganten Cocktailglas, passend zum Bau.

Unverzichtbar für eine gepflegte Lektüre: Das heimische Sofa

Z’Rieche. Jahrbuch 2020. Corona hat eines der wichtigsten Themen unserer Zeit ein wenig beiseite geschoben: Das Klima. Aber wie ist es eigentlich um das Basler Klima, resp. um das Klima in Riehen bestellt? Was sagen Schülerinnen und Schüler zur Klimalage in der Gemeinde? Müssen wir uns um die Trauben, aus denen der lokale Wein gekeltert wird, sorgen? Das Jahrbuch 2020 bietet neben der Klima-Thematik zusätzlich noch einige schöne Beiträge zum Leben in Riehen. Darunter auch ein Beitrag zu Riehens Literaturinitiative Arena, die ihr vierzigjähriges Bestehen feierte. Wer nun die Nase rümpft und meint, es handelt sich hierbei nur um ein langweiliges Kaffeetreffen von Freizeitliteraten, hat offensichtlich keine Ahnung! Denn in der Arena haben schon zahlreiche literarische Schwergewichte gelesen und ihre Werke vorgestellt; darunter die Gräfin Marion Dönhoff oder der Iliasübersetzer Raoul Schrott. Überhaupt ist das Jahrbuch der Gemeinde Riehen immer eine schöne Lektüre und mit viel Liebe gestaltet. Wer also im Shutdown die Spaziergänge rund ums Beyeler vermisst, der wird sich mit dem Jahrbuch die Zeit vertreiben können. Was würde wohl zur Lektüre besser passen als ein lokales Getränk, wie zum Beispiel ein Ueli Bier.

Option 2: Die UB Themenabende

Wie immer veranstaltet die UB zahlreiche Themenabende, die während des Shutdowns digital angeboten, resp. digital übertragen werden (LINK). Das Flair einer klassischen Veranstaltung in den Räumen der UB ist leider durch nichts zu ersetzen, doch man soll die Vorzüge einer digitalen Übertragung nicht unter den Scheffel stellen. Müde von einem langen Tag oder gelangweilt von Netflix kann man sich mit nur einem Klick in den Themenabend einwählen. Also: Nichts von Aufbrezeln und nochmals in die Kälte hinaus; alles bequem von zuhause aus möglich. Der erste Themenabend startet mit einem spannenden Beitrag zu einer Basler „Ur-Institution“, dem Zolli. Bedenkt man, dass dieser aktuell geschlossen ist und wir uns alle immer wieder fest vornehmen zwischen Flamingos und Löwen inmitten der Stadt zu flanieren, darf diesen Themenabend auf keinen Fall verpassen. Mit dem Zolli werden nicht nur Erinnerungen eines jeden Baslers wach, sondern der Shotdown rückt garantiert für eine Zeit in den Hintergrund.

noah.regenass@unibas.ch

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