Zur kommenden Ausstellung an der UB Basel: «Auf der Suche nach Fritz Platten»

Es ist ein Leben, das sich wie ein Krimi liest, das von Extremen und Abenteuern geprägt war und voller Fragen bleibt: Das Leben des Fritz Platten. Wegen eines Unfalls brach Platten 1902 seine Schlosserlehre in Zürich ab und ging danach verschiedenen Berufen nach. Inspiriert von der Arbeiterbewegung beginnt sich Fritz Platten für die aufstrebende Sozialdemokratie zu interessieren. 1906 nimmt Platten aktiv an der ersten Russischen Revolution teil, die von 1905-1907 überall im Russischen Kaiserreich auflodert. Aufgrund seiner diversen Aktivitäten in Riga wird er verhaftet und verbringt darauf nicht wenige Monate in Haft, bevor er flüchtet und sich in die Schweiz absetzen kann.

«Befreit Fritz Platten aus den Kerkern Stalins», 1. Mai-Demonstration 1948, Zürich. Quelle: Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich

Es beginnt nun Plattens steiler Aufstieg in der Schweizer Politik: Er wird Stadtrat in Zürich, wenig später Nationalrat. 1915 markiert ein weiterer Meilenstein in Plattens Leben, als er mit Lenin einen immer engeren, freundschaftlichen Kontakt pflegt. Dann der Coup seines Lebens: Die Organisation der legendären Reise Lenins im «plombierten Zug» [ein Mythos, der Zug war nicht wirklich plombiert] bis an die Grenze Russlands. 1918 rettet Platten angeblich [ebenfalls ein Mythos] Lenins Leben bei einem Attentat in Sankt Petersburg. Nach dem Schweizer Landesstreik 1918/19 beginnt sich Platten immer mehr zu radikalisieren. Die Konsequenz ist schliesslich die Auswanderung nach Russland anno 1926. Doch Platten scheitert mit seinen Projekten in der Sowjetunion und fällt schliesslich den Säuberungen Stalins zum Opfer. Platten wurde nach seinem Tode in der Sowjetunion für seine Verdienste immer wieder geehrt. In der Schweiz hingegen war Platten lange persona non grata, galt als ein gefährlicher Kommunist. Die kommende Ausstellung an der UB Basel geht nicht nur den politischen Tätigkeiten Plattens nach, sondern fragt zugleich, wer dieser Mann war, der Lenins Traum einer neuen Gesellschaft folgte und wie er in der Schweiz und in der Sowjetunion erinnert wurde. Die Ausstellung kann ab 8. Oktober an der UB besucht werden.

noah.regenass@unibas.ch

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