«archive on tour» in der UB zu Gast

Der Verein Schweizerischer Archvarinnen und Archivare VSA wird heuer 100 Jahre alt. Auch die UB ist Mitglied dieses Berufsverbands und feiert kräftig mit. Letzte Woche etwa fand auf der UB ein Netzwerktreffen der Archivarinnen und Archivare der Region statt. Das Staatsarchiv Basel-Stadt und das SWA hatten dazu eingeladen. Die Dichte an Archiven in Basel und Umgebung ist enorm: Mitarbeitende aus den beiden Staatsarchiven, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der Basler Mission, der Fondation Herzog, dem SWA und vielen weiteren Archiven, trafen sich auf der UB. Auf dem Programm stand eine Führung der perfekt zum Thema passenden Ausstellung «Lieblingsstücke».

Die Gäste aus den Archiven waren eingeladen, ihr eigenes Lieblingsstück aus ihrer Institution mitzubringen und dem Netzwerk vorzustellen.

Das SWA hat ein aktuelles Objekt zum Treffen mitgebracht. Eine lederne Dokumentenmappe aus dem Firmenarchiv der Bata Schuh Organisation mit dem Titel «Sitzverlegung im Kriegsfall, War Emergency Measures (WEM), Government Emergency Measures (GEM), 1976-1996». Die Ledermappe, so erläutert Irene Amstutz (Leiterin des SWA), enthält wichtige juristische Dokumente, welche die Verfügungsmacht über die Bata-Konzerngesellschaften belegten und somit das Weiterfunktionieren des Weltkonzerns in Zeiten internationaler Konflikte garantieren sollte. Konkret war vorgesehen, dass die Bata-Manager im Fall einer Invasion Westeuropas durch die Sowjetarmee (Kalter Krieg) diese Mappen unter den Arm klemmen und nach Kanada oder einen anderen sicheren Ort fliehen könnten. Bata, in der Tschechoslowakei gross geworden, hatte in den 1930er Jahren einen Teil der Konzernzentrale in die Schweiz verlegt. Die Firma hatte mehrfach Verstaatlichungen von Fabriken in Ländern des Ostens und Südens erlebt und verfügte über eine hohe Sensibilität für Krisen und Katastrophen.

Firmenarchiv Bata Schuh Organisation im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv SWA
Sitzverlegung im Kriegsfall, War Emergency Measures (WEM), Government Emergency Measures (GEM), 1976-1996
Signatur: Basel, Schweiz. Wirtschaftsarchiv, SWA PA 566 c A 4-1

Die Unterlagen weisen eine traurige Aktualität auf. Für uns stehen sie darüber hinaus symbolisch für die Kernüberlieferung einer Firma. Wir haben unsere Geburtstagswünsche an den VSA mit dem allgemeinen Wunsch verbunden, dass mehr Firmen in der Schweiz mindestens ihre Kernüberlieferung sichern und zugänglich machen würden Alle Lieblingsstücke wurden fotografisch und textlich dokumentiert. Sie bilden nun Bestandteil einer Archivschachtel, welche der VSA von Februar bis September durch alle 26 Kantone pilgern lässt mit der Bitte, einen Jubiläumsbeitrag hineinzulegen. «archive on tour» heisst die Aktion, die auf dem Hashtag #archiveontour verfolgt werden kann.

Von der UB Basel wurde als Lieblingsstück ein schöner Band mit knapp 100 eigenhändigen Briefen des Erasmus von Rotterdam an Bonifacius Amerbach, 1516-1536 (Signatur: Universitätsbibliothek Basel, UBH AN III 15) präsentiert.

Zum Band schreibt Ueli Dill, Leiter der Historischen Sammlungen in der Universitätsbibliothek Basel: „Die Briefe wurden 1771 vom damaligen Antistes Emanuel Merian (1732–1818) in einem ‹Gewölb im Münster› entdeckt und, sorgfältig gebunden, der Universitätsbibliothek übergeben. Eine erste, von Werner Herzog besorgte Edition erschien 1779: Epistolae Familiares Des. Erasmi Roterodami Ad Bonif. Amerbachium. Der Band symbolisiert die Erweiterung der Universitätsbibliothek um einen Archivteil: Spätestens seit der Integration des Amerbachnachlasses wurden auch Privatarchive gesammelt, vor allem aus dem wissenschaftlichen und kulturellen Umkreis.»

irene.amstutz@unibas.ch

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