Von der Fussnote zum Wissensmanagement

Literaturverwaltungsprogramme entwickeln sich zu genialen Alleskönnern

Noch nie war wissenschaftliches Schreiben so einfach.     
             
In den 90er Jahren, den Pionierzeiten von Heimcomputern und Textverarbeitungsprogrammen, bot bereits die Möglichkeit automatisch eine Fussnote setzen, Text löschen, überschreiben oder neu einfügen zu können eine enorme Erleichterung gegenüber dem analogen Schreiben auf der Schreibmaschine. Dennoch bedeuteten diese Funktionalitäten erst einen Bruchteil dessen, was 30 Jahre später spezialisierte Programme zur Unterstützung der Verwaltung, Rezeption und Produktion wissenschaftlicher Texte zu leisten vermögen.

Laptop Armada 1700 von Compaq: 1998 eine Innovation, 14,1’’ Farbdisplay, Disketten- und CD-Rom Laufwerk, Prozessor: Intel Pentium 2, Arbeitsspeicher: 32 MB, Windows 95, Gewicht: 3.6 Kg, funktioniert noch heute (Foto: Susanne Schaub)

Literatur verwalten und zitieren

Die Hauptfunktion eines Literaturverwaltungsprogramms (engl. reference management software, citation management tool, frz. logiciel de gestion bibliographique) ist das Verwalten der Literatur zu einem bestimmten Projekt, also das Zusammentragen von Titeln unterschiedlicher Dokumenttypen (auch Webseiten), mit dem Ziel der Ausgabe eines Literaturverzeichnisses im gewünschten Zitationsstil. Üblicherweise wird die Literatur, bzw. ihre Metadaten und, falls verfügbar, die Volltexte nach der Katalog- oder Datenbankrecherche ins Programm importiert. Einige Systeme bieten auch gleich eine Recherche aus dem Programm heraus an (z.B. Citavi, Endnote).

Unterstützung beim wissenschaftlichen Schreiben

Die meisten Produkte erleichtern über ein zusätzliches Add-in das Schreiben im Textprogramm; bekannt unter dem Akronym CWYW, Cite While You Write, werden beim Schreiben Zitate und ihre entsprechenden Referenzen oder Fussnoten direkt aus dem Literaturverwaltungsprogramm ins Textprogramm geladen, wobei auch das Literaturverzeichnis automatisch angepasst wird – praktisch, nicht? Gegebenenfalls kann sogar die Struktur der gesamten wissenschaftlichen Arbeit bereits im Literaturverwaltungsprogramm angelegt, die Einzelnachweise den entsprechenden Kapiteln zugeordnet und schliesslich die gesamte Gliederung mit Kapiteln und Zitaten ins Textprogramm übernommen werden.

Beim Schreiben im Textprogramm (Screenshot Word) können die Referenzen oder Fussnoten (gelb markiert) über ein Add-in (hier das Word-Add-in von Citavi, roter Rahmen) direkt im gewählten Zitationsstil (hier Chicago Manual of Style, 17th ed.) eingefügt und auch direkte Zitate (hellblau markiert) übernommen werden, das Literaturverzeichnis am Ende des Textes wird automatisch ergänzt. Auch die Gliederung der wissenschaftlichen Arbeit, die einzelnen Kapitel, sind aus dem Literaturverwaltungsprogramm übernommen worden.

Wissensmanagement

Bei komplexeren Programmen wächst der Funktionsumfang weiter. Zu eigentlichen Hilfsinstrumenten des Wissensmanagements zählen diejenigen, die die Textrezeption von importierten Volltexten durch Bearbeitungswerkzeuge unterstützen, wie etwa Markieren, Einfügen von Kommentaren und Annotationen, Verwalten von Einzelzitaten, Vergabe von Schlagwörtern und Zuordnen derselben zu den einzelnen Kapiteln der Arbeit (z.B. Citavi, neu Zotero u.a.). Wer mag, kann selbst sein Projektmanagement über das Programm regeln und beispielsweise der Literatur auch einzelne Aufgaben, den Bearbeitungsstand, eine Terminierung etc. zuordnen.

Screenshot der Arbeitsoberfläche von Citavi. Rechts im Bild Textbearbeitung mit verschiedenen Werkzeugen (roter Rahmen).

Kollaboratives Arbeiten

In neuerer Zeit wurde die gemeinschaftliche Nutzung der Programme erweitert oder erst implementiert, indem bspw. der Desktopversion eine Webversion zugesellt wurde. Während Endnote bereits ab 2018 mit Version X9 das Teilen von Literatursammlungen mit anderen Anwendern anbot, wurde mit CitaviWeb (im Juni 2021 publiziert) das Arbeiten in Teams erleichtert. Mit Version 6 von Zotero (ab März 2022) wurden erstmals Werkzeuge zum (kollaborativen) Annotieren von pdf-Dokumenten eingeführt; zeit- und ortsunabhängig lassen sich neu Informationen, Daten und Medien eines wissenschaftlichen Projekts durch ein Team gemeinsam sammeln, bearbeiten, Texte verfassen und Literaturlisten ausgeben.       
Studierende, die in den 90er Jahren ihre Literaturverzeichnisse händisch zusammenstellen mussten hätten von solchen Programmfeatures nur geträumt.       
           
Noch nie war – zumindest technisch gesehen – wissenschaftliches Schreiben so einfach.            
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Die Basisversion einiger Literaturverwaltungsprogramme (Zotero, Citavi, Mendeley) kann kostenlos genutzt werden. 
Universitätsangehörige profitieren von kostenfreien oder sehr preiswerten Vollversionen der Programme Citavi und EndNote, Vgl.:  https://asknet.unibas.ch/

  • Die UB Basel bietet regelmässig im Semester folgende Kurse zu Literaturverwaltungsprogrammen an:          
    – Übersicht und Vergleich von Literaturverwaltungsprogrammen
    – Einführungen in die Literaturverwaltungsprogramme EndNote, Zotero, Mendeley, Citavi

    Information: https://ub.unibas.ch/de/fuehrungen-schulungen/      

  • Im November werden die Coffee Lectures der UB Basel dem Thema «Kollaboratives Arbeiten» gewidmet sein:   

    Information: https://ub.unibas.ch/de/coffee-lectures/

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