Ein Weihnachtsbaum für die UB Hauptbibliothek

Ein Beitrag von Alice Keller.

Man sagt mir, es habe noch nie einen Weihnachtsbaum an der UB gegeben. Zumindest nicht, so weit die Erinnerungen der langjährigen Mitarbeitenden zurückgehen. In der Tat sind Weihnachtsbäume oder Adventskränze mit Kerzen keine geeignete Dekoration für Bibliotheken.

Dennoch wollten wir etwas Neues machen und auch während der Energiemangellage unseren Benutzerinnen und Benutzern etwas Festliches bieten. So ist ein nachhaltiger Bücherbaum entstanden, der im 1. OG der UB Hauptbibliothek den Eingang zum Lesesaal schmückt und die eintretenden Benutzerinnen und Benutzer erfreut. Der Baum misst 283cm und besteht aus 475 Bänden des National Union Catalogs (NUC), die normalerweise an der Wand des Lernraums (ehem. Infocenter) stehen.

An dieser Stelle lohnt sich auch ein kleiner bibliothekarischer Exkurs zur Geschichte solcher Gesamtkataloge. Mit seinen 754 Bänden und 528’000 Seiten gehört der NUC zu den weltweit grössten Druckwerken der Geschichte. Es handelt sich um einen Katalog aller vor 1956 gedruckten Bücher, die von der US Library of Congress oder anderen grossen amerikanischen und kanadischen Bibliotheken katalogisiert worden sind und bildet gleichzeitig ein wichtiges Standortinventar für die nordamerikanischen Bibliotheken. Der zwischen 1968-1981 erschienene Katalog ist alphabetisch aufgebaut und stand weltweit in den Lesesälen fast aller grossen Universalbibliotheken. Noch heute ziert er die Wände vieler Institutonen, während andere Bibliotheken sich davon getrennt haben und auf die elektronische Form oder Mikrofiches verweisen.

Eine Seite aus dem NUC

Der Katalog stellt eine Reproduktion eines riesigen Zettelkatalogs dar, der heute in der HathiTrust Digital Library auch online zur Verfügung steht (https://catalog.hathitrust.org/Record/000140237). Der NUC ist sozusagen am Zenit des Zeitalters der gedruckten Grosskataloge entstanden. Kurz danach kamen Mikroformen auf, die platz- und ressourcensparendere Publikationsformen boten. Auch diese hatten nur eine kurze Blütezeit und wurden schon bald durch Online-Kataloge, die auch ganz neue Recherchemöglichkeiten boten, abgelöst.

Dennoch erinnert der NUC als Relikt aus dem Zeitalter der gedruckten Gesamtkataloge viele Benutzerinnen und Benutzer daran, wie zeitraubend, mühselig und oft auch frustrierend die Bibliotheks- und Recherchearbeit früher war. Der Baum wurde aufgebaut von Florian Jauslin, Luca Rutschmann, Amaury Lemaréchal, Simone Gloor (Sternemacherin), Johann Frick (Fotograf) und Alice Keller. Vielen Dank auch an die Wolfenbütteler Kolleg*innen, die uns freundlicherweise eine Anleitung zur Verfügung gestellt haben.

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