Die CS- Übernahme im Spiegel von UBW und SWA

Plötzlich ging es ganz schnell – über das dritte März-Wochenende schmiedeten der Bundesrat zusammen mit SNB und FINMA die Fusion zwischen der Credit Suisse und UBS. Noch am Donnerstag zuvor erhielt die Credit Suisse eine Liquiditätsspritze von 50 Milliarden Franken, am Sonntag darauf wurde dann bekannt, dass die Grossbank für 3 Milliarden Franken an die Konkurrentin UBS gehen würde. Ein «Zombie» sei weg und ein «Monster» entstanden, konstatierte die NZZ vom 20.3.2023; Eine «Krise der Zürcher Eliten» und zugleich eine «nationale Verletzung» beklagte «Le Temps» (21.3.2022). Die SNB unterstützt die Übernahme mit drei Liquiditätsinstrumenten mit bis zu 250 Milliarden Franken: die bereits am 15. März gesprochene Emergency Liquidity Assistance (ELA, 50 Mrd. Sfr.), ELA Plus (100 Mrd. Sfr.) und das Public Liquidity Backstop (PLB, 100 Mrd. Sfr.). Zusätzlich bekommt die UBS eine Garantie von 9 Milliarden Franken.

Der Vergleich zur Krise 2008 drängt sich auf, als der Finanzplatz Schweiz laut NZZ erstmals «seine Unschuld verloren» hat: Damals unterstützte der Staat die UBS mit über 60 Milliarden Franken. Doch der Vergleich hinkt: «Bei der Credit Suisse dominierte die Angst, dass der Bank das Geld ausgehen wird. Entsprechend war in erster Linie Liquidität in grossem Umfang gefragt. Die Aufräumarbeit hingegen überliessen die Behörden der UBS (…) Direkter involviert waren die Behörden 2008 bei der UBS. Der neu gegründete Stabfund konnte mit einem SNB-Kredit der UBS toxische Wertschriften für bis zu 54 Milliarden Dollar abkaufen» (NZZ, 24.3.2023)

Was die CS-Übernahme für Konsequenzen haben wird, ist nach wie vor unklar – unter anderem wird die UBS ein Sparprogramm auflegen, um die Kosten der neuen Bank zu senken. Unklar bleibt auch, wie sich die Credit Suisse in diese Lage hat manövrieren können.

Was eine Aufarbeitung der Vergangenheit angeht, verfügen SWA und UB Wirtschaft über reichhaltige Bestände, in die Studierende und Forschende eintauchen können.

Im Freihandbereich der UBW kommen gleich mehrere Signaturen in Fragen, um sich mit der Bankengeschichte auseinanderzusetzen (UBW QK 410), mit Banken- und Finanzkrisen (UBW QK 100), oder mit Geschäftsbanken generell (UBW QK 400).

Im SWA finden sich zum einen Archivbestände der Vorgängerin der Credit Suisse Group (Konzerngeschichte 125) und der Credit Suisse AG, der 1856 von Alfred Escher ins Leben gerufenen Schweizerischen Kreditanstalt (Banken 384), darunter Statuten, Geschäftsordnungen und Geschäftsberichte ab 1856. Schon 1990 fusionierte die Credit Suisse mit einer anderen Grossbank, der Bank Leu. Zu ihr finden sich im SWA Bestände von 1854-2012 (SWA Banken 371). Eine weitere wichtige Fusion erfolgte 1993 mit der Schweizerischen Volksbank (Kreditgenossenschaft) Bern/Zürich. Das SWA beherbergt u.a. ihre Statuten und Geschäftsordnungen (1875-1969) sowie Kurzprotokolle und Referate diverser Delegierten- und Generalversammlungen (1929-1935) (SWA Banken 75). Auch «Bulletin: Das Magazin der SKA» (1895-1996) findet sich in den Beständen der UBW (UBW Zq 897). Konsultierbar sind ausserdem biografische Dossiers, etwa der CEOs Ulrich Körner (seit 2022), Thomas Gottstein (2020-2022) oder Tidjane Thiam (2015-2020). Hier sind die CS-Dokumente in SWA Search zusammengefasst. Schliesslich hat das SWA die Regulierungsaktivitäten der FINMA seit ca. 2008 eng dokumentiert. Die Sammlungen umfassen meist einen Entwurf der Verordnung, einen Erläuterungsbericht, die Stellungnahmen der Finanzmarktakteure und einen Anhörungsbericht. Es lassen sich also die unterschiedlichen Positionen des Schweizer Finanzplatzes zu konkreten Regulierungsvorschriften detailliert nachvollziehen.

Die Literaturauswahl zum Thema «Credit Suisse» und allgemein zum Thema «Schweizer Bankensystem» ist umfangreich. Hier kann nur eine kleine Auswahl präsentiert werden:

Die Literaturauswahl zum Thema «Credit Suisse» und allgemein zum Thema Schweizer Bankensystem ist umfangreich. Hier kann nur eine kleine Auswahl präsentiert werden:

1.  Baumann, Claude, Werner E. Rutsch, und Werner Ernst Rutsch. Swiss Banking – wie weiter?  Aufstieg und Wandel der Schweizer Finanzbranche. Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung, 2008.

2. Guex, Sébastien et al. Du pouvoir et du profit : contributions de Sébastien Guex à l’histoire économique et sociale. Lausanne: Antipodes, 2021. Hier interessieren besonders der erste Teil des Sammelbandes zur Finanz- und Geldpolitik der SNB sowie der zweite Teil zum Bankenplatz Schweiz.

3. Jung, Joseph. Von der Schweizerischen Kreditanstalt zur Credit Suisse Group : eine Bankengeschichte. Zürich: NZZ Verlag, 2000, eine «Eine Jubiläumsschrift ohne Jubiläum» vom «Hofhistoriker» der CS, der auch Biografien zu Alfred Escher und Tochter Lydia Welti-Escher verfasst hat.

4. Lengwiler, Christoph, Marco Passardi, und Armin Jans. Krisenfeste Schweizer Banken? : die Regulierung von Eigenmitteln, Liquidität und «Too big to fail». Zürich: NZZ Libro, 2018.

5.  Mabillard, Max, Ernst Bollinger, und Roger Weck. Der Fall Chiasso. Genève: Tribune Editions, 1977. Print.

6.   Meier, Henri B., Pascal Gantenbein, and John E. Marthinsen. Swiss Finance : Capital Markets, Banking, and the Swiss Value Chain. Hoboken: Wiley, 2013.

7.   Schoch, Rolf. UBS 1998 – 2008 : die grösste Schweizer Bank 10 Jahre nach der Fusion : Forschungsbericht Die “Elefanten-Hochzeit” von Bankgesellschaft und Bankverein – repräsentative Meinungsumfragen. Horgen: WISO Dr. Schoch + Partner, 2009.

8.   Schütz, Dirk. The Fall of UBS : the Forces That Brought down Switzerland’s Biggest Bank. New York: Pyramid Media Group, 2000.

9.  Straumann, Tobias. Die UBS-Krise aus wirtschaftshistorischer Sicht : Expertenbericht erstellt zu Handen der UBS AG : 28. September 2010. Zürich: UBS, 2010.

10. Thiessen, Raphael, Stephan Sigrist, and Frederic Siegel. True Transformers : ein Ausblick auf die neue Rolle der Finanzdienstleister und die künftige Architektur des Schweizer Bankensystems. Basel, Switzerland: NZZ Libro, 2020.

11. Tobler, Lukas. “Banken im Sturm : die Politisierung des Schweizer Finanzplatzes in den 1970er- und 80er-Jahren.” Chronos, 2021, mit einer Betonung der Skandale, die das Bankensystem seit den 1980er Jahren durchziehen.

12. Wiget, Josef. Die SKA Schwyz und ihre Vorgeschichte : von aristokratischen Banquiers und wirtschaftlicher Verantwortung. Schwyz: Schweizerische Kreditanstalt, 1993.

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